DSL oder LTE was ist besser?

LTEDie möglichen Geschwindigkeiten vergleichend, könnte LTE als das DSL des Mobilfunks bezeichnet werden. Technisch betrachtet haben sie jedoch nichts gemeinsam.
LTE ist die Abkürzung für Long Term Evolution und der Nachfolger (4G) des alten Mobilfunkstandards UMTS (3G).

In der Theorie sind mit LTE Geschwindigkeiten von bis zu 300 Mbit/s im Downstream und 75 Mbit/s im Upstream möglich, was ein enormer Vorteil ist. In der Praxis bietet jedoch keiner der großen Provider diese Übertragungsraten an.
So sind bei 1&1 und o2 Pakete mit maximal 50 Mbit/s erhältlich. Einen immerhin 150-Mbit/s-Tarif gibt es bei der Telekom (LTE+) und Vodafone (Real LTE) für alle mit CAT4-Geräten.

LTE – sehr guter Netzausbau und hohe Geschwindigkeiten

Nutzer, die in einem für DSL eher dürftig ausgebautem Gebiet leben, können mit 4G aber dennoch gewinnen. Ein weiteres Plus ist nämlich der gute Netzausbau, was es fast flächendeckend verfügbar macht. Die Kehrseite ist, dass es sich bei LTE um ein Shared Medium handelt. Abhängig von der Anzahl der aktiven Geräte in einer Funkzelle, wird die verfügbare Geschwindigkeit unter allen aufgeteilt. Sind also beispielsweise 100 Mbit/s verfügbar und es verbinden sich zwei User mit der gleichen Funkzelle, kommen bei beiden – unter Idealbedingungen – 50 Mbit/s an.
So kann der Vorteil schnell zum Nachteil werden. Da es bei 4G keine Kapazitäten-Regulierung gibt, nehmen Funkzellen so lange User auf, bis sie eine vollständige Auslastung erreichen. Die Folge sind äußerst langsame Verbindungen.

DSL – stabile Verbindung und echte Flatrates

Bei DSL können ähnliche Probleme auftreten, wenn Kapazitäten überlastet werden. Allerdings geschieht es hier kontrollierter und nicht so plötzlich. Folglich unterliegt die Übertragungsgeschwindigkeit keinen so starken Schwankungen. Auch der Umstand der Kabelanbindung ist ein Vorteil gegenüber LTE, da sie weniger äußeren Einflüssen ausgesetzt ist als eine Funkverbindung und somit mehr Stabilität bietet. Wer etwa in einer Souterrain-Wohnung lebt, kennt vielleicht die Suche nach Empfang, trotz gutem LTE-Ausbaugebietes.

Preis-Leistungs-Verhältnis bei LTE und DSL

Ein weiterer Minuspunkt für 4G sind die angebotenen Tarife. Während DSL im Allgemeinen mit echter Flatrate gebucht werden kann – auch beim Datenverbrauch – sind Tarife für LTE meist nur mit Inklusivvolumen erhältlich. Ist dieses Volumen verbraucht, wird die Verbindung erheblich gedrosselt oder automatisch neues Volumen dazugebucht. Verbraucher mit hoher Downloadrate sind dann aufgefordert, immer wieder ein paar Gigabyte dazuzukaufen, wenn sie nicht den Rest des Monats mit stark reduzierter Geschwindigkeit surfen möchten. Dabei liegen die Grundgebühren für LTE-Tarife entweder auf dem Niveau vergleichbarer DSL-Angebote oder deutlich darüber.

DSL-Kunden sind weniger eingeschränkt. Wobei auch da inzwischen ähnliche Modelle umgesetzt werden, dass ab einem festgelegten Verbrauch die Geschwindigkeit gedrosselt wird. Doch gibt es dort deutlich mehr Spielraum.
So liegen beispielsweise bei o2 die Datenvolumen solcher Tarife weit höher und die Bandbreite wird am Ende auf 2 Mbit/s beschränkt. O2 nennt das Fair-Use-Mechanik. Zum Vergleich: Bei LTE wird mit Verbrauch des Inklusivvolumens die Maximalgeschwindigkeit beim gleichen Anbieter auf 32 kbit/s reduziert.

Wer in einem Ausbaugebiet mit guter Infrastruktur für DSL lebt, kommt günstiger weg. Insbesondere, wenn er gerne mit Highspeed surft.

Fazit:

LTE hat einige Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind. Es ist sehr flexibel, es ermöglicht ausgesprochen hohe Geschwindigkeiten und es ist nahezu flächendeckend in ganz Deutschland verfügbar. Leider überwiegen die Nachteile deutlich. LTE als Shared Medium kann durch plötzliche Geschwindigkeitseinbrüche zu Stoßzeiten schnell das Surferlebnis trüben. Bedenkt man die vergleichsweise hohen Kosten und die Bindung an ein Datenvolumen, rechnet sich LTE lediglich in wenigen Fällen. Etwa in Gegenden, in denen entweder kein DSL möglich ist oder nur mit geringer Bandbreite bis 2 Mbit/s.

DSL kann beim Ausbaugebiet nur teilweise punkten. Zwar ist es in über 90% der deutschen Haushalte verfügbar. Betrachtet man sich jedoch die Bandbreiten, erreicht die Abdeckung für 100-Mbit/s fähige Anschlüsse gerade 1%. Dafür punktet DSL beim Preis-Leistungs-Verhältnis, mit einer stabileren Verbindung und keiner (oder kaum) Einschränkungen durch Inklusivvolumen und Drosselung.

Die Vor- und Nachteile im Überblick

LTE

  • positiv:+ ausgezeichnete Netzabdeckung, fast überall verfügbar

    + theoretisch Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 300 Mbit/s möglich

    + flexibel

    + mobil

  • negativ:– Shared Medium

    – keine Kapazitäten-Regulierung für Funkzellenauslastungen

    – Tarife mit Inklusivvolumen

    – Highspeed-Surfen bei hohem Volumenverbrauch verursacht zusätzliche Kosten

    – Funkverbindung kann trotz guter Netzabdeckung instabil oder gar nicht vorhanden sein bei besonderen Wohnbedingungen – zum Beispiel Souterrain-Wohnungen

DSL

  • positiv:+ stabile Verbindung durch Kabel

    + meist kein Inklusivvolumen, wenn doch, dann großzügig bemessen

    + Preis-Leistungs-Verhältnis

    + hohe Bandbreite von bis zu 100 Mbit/s möglich

  • negativ:– Ausbaugebiet für Vectoring deckt erst 1% aller Haushalte ab

    – ortsgebunden

    – Ausbau gestaltet sich aufwendiger, geht daher langsamer voran